Die wirtschaftliche Bedeutung von Flüssen ist heute Nebensache. Aber der Fluss ist in den letzten Jahren mehr und mehr zum Trumpf geworden, wenn es um die Lebensqualität in der Stadt geht. Nun muss aus den dreckigen Kanälen ein attraktiver Lebensraum werden. Beispiele aus Wien und anderswo.
Aber auch der öffentliche Raum am Wasser wurde in vielen Städten in den letzten Jahren aufgewertet. Nach dem Vorbild des Pariser Stadt-Strandes, der seit einigen Jahren im Sommer auf der Pariser Stadtautobahn an den Ufern der Seine angelegt wird, werden nun auch am Rhein Topfpalmen aufgefahren und Liegestühle aufgestellt. Etwas beständiger sind die neuen Grünanlagen, die zum Beispiel in Mainz entlang des Rheins eröffnet wurden und vor allem auch die Möglichkeit bieten, in Gruppen zu picknicken oder entlang des Flusses Sport zu treiben.
Andere Städte sind noch dabei, das Potenzial ihrer Flüsse zu heben und ihre oft stark verbauten Flussläufe für die Anwohner attraktiver zu gestalten. Ein Beispiel eines solchen Versuchs haben wir im Rahmen einer Projektstudie in Wien kennen gelernt.
Um der Misere Herr zu werden, schickt die Stadt die "Freizeitpioniere" vor: Szene- und Clubgänger schätzen ein nicht allzu makelloses Umfeld, Künstler und Klubs beleben das Ufer. Diese Klientel bereitet den Boden: Zunächst muss sich das Image wandeln - von einem dreckigen Kanal zu einer Künstler-Bohème-Zone, mit dem europaweit bekannten Club "Flex" und sogenannten "künstlerischen Interventionen". Diese Gruppe von Pionieren wächst und lässt das neue Ausgehviertel am Kanal bekannter werden. Die Stadt verbessert in kleinen Schritten nach und nach das äußerliche Bild und die Infrastruktur: Neue Beleuchtungen werden angebracht, die einerseits das einst hässliche Betonensemble in bunten Farben leicht kitschig ausleuchten, andererseits sogenannte "Angsträume", also etwa dunkle Ecken unter Brücken, entschärfen.
Die nächste Gruppe sind die Eltern jener Clubgänger, also die etwas situiertere Wiener Gesellschaft. Sie schätzen es grün und etwas eleganter. Ihr Magnet soll die Urania sein - ein sogenanntes Volksbildungshaus im Jugendstil aus dem beginnenden 20. Jahrhundert, das ebenfalls an den Donaukanal grenzt. Weiteres Publikum wird die neue Anlegestelle für die Expressfähre zwischen Wien und Bratislava anziehen, ein futuristischer Architekten-Bau und vielleicht bald eine bekannte Landmarke am Kanal.
Die Zukunft klingt vielversprechend: Auf Badeschiffen im Kanal soll die Flussbade-Kultur wieder aufleben, ein Vergnügen, das schon in der "guten alten Zeit" in Wien sehr geschätzt wurde.
Bilder: (von oben nach unten): So schauts am Anfang aus: Der Wiener Donaukanal ist verbaut, wenig grün und nicht gerade attraktiv. Dann: Freizeiteinrichtungen für die "Freizeitpioniere" - die schicke Wiener Gesellschaft kommt etwas später. Schließlich: Baustelle für den Fähranleger der Wien-Bratislava Linie. Architektur wertet den Flussraum auf.
Quelle: eigene Bilder.
Im Internet: Der Wiener Stadtentwicklungsplan STEP-05 (mehr...), ein anderes Projekt ist zum Beispiel die Hamburger Hafen-City mit dem neuen Opernhaus (mehr...), sowie zum Thema Flussbaden (mehr...)












